Ich freue mich, wenn ihr mein spannendes, grosses Abenteuer auf dem Pazifischen Ozean ein wenig mit mir auf meiner Homepage,
welche René für mich gestaltet hat, teilen möchtet.
Die Reise führte uns durch die Gesellschafts- und Tuamotu-Inseln in Französisch Polynesien, und von dort über die Cook-Inseln, Niue, die Tonga-Inseln und das Minerva Reef nach Neuseeland.
Dort sind wir die abwechslungsreiche Ostküste von Opua im Norden bis Dunedin, in der Provinz Otago auf der Südinsel, hinunter gesegelt.
Im Ganzen haben wir mit der S/Y 'Ata'Ata 5000 Seemeilen zurückgelegt, entlang welchen wir 45 Häfen und Ankerplätzen besucht haben.
7. Oktober
Auf meinem Pareo richten wir unseren Abschiedsapéro, René schleppt Bier, Orangensaft, Rum und Eis an, und ich bereite eine grosse Schüssel Russischen Salat zu, mache Popcorn und fülle Schälchen mit Oliven und kleinen Knabbereien. Alle Stegnachbarn sind eingeladen und kommen, um sich von uns zu verabschieden, was für ein schöner Abend! Sogar Leslie, die Opernsängerin aus Los Angeles, welche mit ihrer Familie seit kurzer Zeit hier wohnt, kommt und singt für uns aus ihrem Repertoire drei Songs.
9. Oktober
Unsere Reise nach Neuseeland kann beginnen. Wir verabschieden uns von den lieb gewonnen Stegnachbarn und es fliessen doch ein paar Tränen. Um 17.00 Uhr geht es los Richtung Maupiti, ich schlucke eine Tablette und nach Sonnenuntergang bin ich bereits etwas schläfrig und begebe mich in die Koje. Ich schlummere noch vor mich hin, als mich René morgens für den wunderbaren Sonnenaufgang weckt. Kaum traue ich meinen Augen, so beeindruckend ist der herrliche Blick auf die Insel. Wir passieren eine der berühmten Durchfahrten des Südpazifiks mit den vielen Seezeichen und der starken Gegenströmung. Nach einem feinen Apéro pumpt René unser Beiboot auf und wir fahren zum kleinen, sehr gepflegten Dörfchen mit den netten Bewohnern, wo wir uns von einer Polynesierin an einem Stand am Weg ein Brot kaufen, es duftet herrlich und ist noch warm.
Nachdem wir wieder auf unserem Schiff sind, kommt die Seepolizei vorbei und kontrolliert unsere Schiffspapiere und unsere Pässe. Alles ist vorhanden, und die beiden netten Franzosen können wieder von Bord gehen. Am nächsten Tag fahren wir mit unserem Beiboot zu einer Stelle in der Lagune, wo jeweils morgens und abends Mantarochen zu sehen sind. Da die Strömung stark ist, müssen wir sehr nah heran fahren und unseren Anker setzen. Die Geduld hat sich gelohnt, und wir können mehrere Mantarochen beobachten wie sie grazil durch das Wasser gleiten.
13. Oktober
Wir verlassen das hübsche Maupiti. Um die Durchfahrt zu passieren müssen wir die Regenwolken, die wir von weitem sehen, vorüberziehen lassen. Danach kann unsere Reise Richtung Mopelia weiter gehen. Mit geübtem Auge erblickt René Delfine, welche an unserem Boot entlang gleiten. Ich bin fasziniert vom Anblick dieser herrlichen Tiere. Bei wunderbarem Wetter segeln wir die 100 Seemeilen problemlos weiter. Wunderbare Sonnen-, Mond- Auf- und Untergänge können wir beobachten. Das Schauspiel von Wind, Wellen, Wolken ist Natur pur.
Die Einfahrt nach Mopelia ist sehr tückisch, da es viele Strömungen hat. Manchmal ist es gar nicht möglich hier durch zu segeln, doch René schafft die schmale Passage mit Höchstleistung des Motors und so können wir in der ruhigen, wunderschönen Lagune vor Anker gehen. Kurz nach unserer Ankunft sind wir von vier Schwarzspitzhaien umgeben, denen René schweren Herzens etwas von unserer feinen Salami abgibt. Auch lustige Nasendoktorfische schwimmen am Heck im Schwarm unserem Boot entlang.
Mit dem Beiboot fahren wir zu einem kleinen Motu, wo wir Muscheln sammeln und danach fahren wir zum Hauptort, wo wir von einer Familie freundlich begrüsst werden. Wir laufen dem Sandstrand entlang und wieder zurück. Von der Familie werden wir zum Abendessen eingeladen. Wir werden verwöhnt mit frisch gefangenen und gekochten Langusten, Reis, Salat mit rohem Fisch, Gurken und Peperoni. Zum Trinken holt die Tochter von einer Palme frische Kokosnüsse, öffnet diese geschickt und genüsslich schlürfen wir das enthaltene Wasser. Auf der kleinen Insel leben mittlerweile 18 Personen und es werden immer mehr, diese arbeiten für eine Kooperation in der Verarbeitung von Kokosnüssen, welche alle acht Monate von einem Schiff aus Maupiti abgeholt und von dort weiter nach Tahiti transportiert werden. Das Schiff aus Maupiti versorgt die Inselbewohner mit den bestellten Esswaren. So fehlt es ihnen an nichts, sie sind grösstenteils Selbstversorger: Fische, Früchte, Gemüse, Hühner und Schweine. Unsere Zitronen und der feine Schoggikuchen von Claudie aus Raiatea haben sie jedoch gerne entgegen genommen. Es war eine Freude zu sehen, wie ihnen das Wasser beim Anblick des Kuchens im Mund zusammen gelaufen ist.
15. Oktober
Nun geht die Reise weiter nach Aitutaki zu den Cook-Inseln, welche einen zwar freien, jedoch grösstenteils von Neuseeland verwalteten Staat bilden. Das heisst 350 Seemeilen Richtung Südwesten. Von Tölpeln begleitet, welche sich neugierig in der Nähe unseres Schiffes aufhalten und sich zum Fischfang mit grosser Geschwindigkeit ins Meer stürzen, segeln wir mit schwachem Wind weiter. René entschliesst sich, den Spinnaker hervor zu holen, was uns bedeutend schneller vorwärts bringt. Toll, den Spi so in action vor uns zu sehen.
Sogar in der Nacht lassen wir uns davon vorwärts treiben, was bedeutet, dass René Nachtwache hat. Leider verfängt er sich am nächsten Morgen und wir holen ihn ein, um ihn mit einem speziellen Klebeband zu flicken. Peinlichst genau muss diese Arbeit erledigt werden. Nun kann er wieder gehisst werden und wir kommen mit 6 - 7 Knoten voran. Am nächsten Morgen dann der ersehnte Wind, bei Stärke Beaufort 4 und vollen Segeln geht unsere Reise nun weiter. Wir befassen uns nun einmal mit den Einreisebestimmungen für Neuseeland:
keine Früchte, kein Gemüse, kein Honig, keine Clams und keine Korallen. Ich sortiere meine gesammelten Muscheln und Korallen und muss mich leider von ein paar schönen Exemplaren trennen. Auch die angefangenen Esswaren, wie Reis, Mehl, Popcorn, Kokossplitter muss ich im Meer entsorgen. Den feinen Honig aus Taha'a schlecken wir noch vor der Beschlagnahmung weg. Auch von wenigen Früchten und etwas Gemüse müssen wir uns trennen. So sind wir für allfällige Probleme bei der Einreise gewappnet. Wir sind um Mitternacht angekommen. Um bei Tag einlaufen zu können, haben wir vor der Lagune noch eine Nacht vor Anker geschlafen.
16. Oktober
Wir passieren die Durchfahrt nach Aitutaki sobald der Tag beginnt. Um das Inselatoll erstreckt sich ein Barriere-Riff, was es grösseren Schiffen nicht erlaubt, zu passieren. So muss das Frachtschiff, welches alle zwei Wochen Ware liefert und abholt draussen ent- und beladen werden. Die Güter werden auf kleinere Schiffe umgeladen und vom Hafen aus weiter transportiert. Wir konnten dem Schauspiel von unserem Schiff aus beiwohnen. Um sich an einem neuen Ort anzumelden, wird die gelbe Flagge gehisst, welche anzeigt, dass wir einklarieren möchten. Der Beamte vom Landwirtschaftsamt kommt auf unser Schiff und kontrolliert unsere Waren. Nur der geflochtene Korb, welchen mir Claire in Raiatea geschenkt hat, will er uns nicht lassen. Ich kann ihn jedoch überzeugen, dass wir ihn sicherlich vor Neuseeland entsorgen werden, was er dann doch gestattet, ihn mit zu nehmen. Weiter werden wir vom Gesundheits- und vom Zollamt geprüft, unsere Pässe werden gestempelt und die Aufenthaltsgebühren müssen bezahlt werden.
In Aitutaki herrscht Linksverkehr, woran wir uns gewöhnen müssen. Die Strassen und Häuser sind sehr gepflegt und sauber, viele Bananen-, Ananas- und Kaffeeplantagen, Kokosnusspalmen und Brotfruchtbäume stehen in Reih und Glied. Die Menschen sind sehr liebenswürdig und offen. Wir haben eine Wanderung zu einem Aussichtspunkt unternommen, wo wir die ganze Insel mit den umliegenden Motus und der wundervoll schimmernden Lagune überblicken konnten, was für ein fantastischer Anblick! Man sagt, die Lagune sei die schönste der Welt, sie ist wirklich magisch.
Einen Tag nach unserer Ankunft sichten wir ein kleines Segelboot, die "Borée". Diane und Leo aus Kanada sind von Bora Bora nach Aitutaki gesegelt. Die beiden sind sehr nett und wir laden sie ein zu einem Apéro auf unser Schiff. Sie haben vor, die gleiche Route wie wir über Niue und Vava'u nach Neuseeland zu segeln.
Am Freitag füllt René unsere Ausreiseformalitäten aus, wir fahren zum Ausreiseamt, tanken noch 40 Liter Diesel, kaufen ein paar Frischwaren ein, sodass wir am Samstag bereits wieder auslaufen können. Der Wind sollte nicht schlecht sein, nur am Montag ist etwas Flaute angesagt, nun wir nehmen es so, wie es kommt.
22.- 27. Oktober
Bevor wir auslaufen tauschen wir mit Diane und Leo noch Bücher und Adressen aus. Ein gemütlicher Tag mit Windgeschwindigkeit von 10 - 12 Knoten begleitet uns bis am nächsten Morgen. In der Nacht, während ich geschlafen habe, hat es stark geregnet, René ist klitschnass. Am Nachmittag klart es jedoch bereits wieder auf und ein atemberaubender Sonnenuntergang (der Himmel ist feuerrot) bringt uns in die Nacht. Wir kommen sehr gut vorwärts Richtung Niue.
Auf unserem Deck befinden sich immer wieder fliegende Fische. Ein blau schimmerndes Fischlein ist sogar durch unser Küchenfenster auf die Herdplatte gefallen, welches noch gelebt hat. Das kleinste auf dem Deck gefundene Exemplar war nur etwa drei Zentimeter lang, können sie jedoch eine Grösse von ca. 50 cm erreichen.
Immer wieder sehen wir Vögel: Tropikvögel, Tölpel und Sturmvögel, aber das eindrücklichste war ein kleiner Wal (Globicéphale Tropical), den wir zuerst nur an seinem feinen Piepsen gehört haben, er ist eine Weile neben unserem Schiff geschwommen und ab und zu aufgetaucht, um Luft zu holen.
28. Oktober
Nach 560 Seemeilen (nun bin ich schon mehr als 1'000 Seemeilen gesegelt), welche wir problemlos zurückgelegt haben, schlafen wir vor Niue, bevor wir am Morgen einlaufen und unser Schiff an einer Boje fest machen, da hier der Grund nicht gut zum Ankern ist. Nach den Zollformalitäten können wir an Land gehen und das kleine Dörfchen Alofi besichtigen.
Wir melden uns für die Boje beim Niue Yacht Club, "The biggest little Yacht Club in the World", welcher uns Internet, Bücher und Getränke zur Verfügung stellt, ein hübsches kleines im englischen Stil eingerichtetes Lokal.
29. Oktober
Wir besichtigen den Punkt, an welchem Captain Cook im Juni 1774 gelandet ist und von den Einwohnern mit Speeren bewaffnet empfangen wurde. Auf dem Weg zum Landeplatz können alte Kanus besichtigt werden, welche von den Einheimischen zum Fischfang oder zum Rudern benützt werden.
Das Wasser hat hier in Niue überall Löcher und Höhlen in die Vulkansteine eingebohrt.
Am späten Morgen werden wir von einem Kamerateam abgeholt, welches uns zum wunderschönen Strand "Hio" bringt, wo wir von einer Drohne für das Tourismusbüro zwecks Werbeaufnahmen gefilmt werden. Die Aufgaben werden aufgeteilt: René sammelt Muscheln im Wasser, ein Ehepaar aus Neuseeland spaziert auf dem Riff, vor der Küste fährt ein Motorboot hin und her, und ich muss im Sand am Strand sitzen und die Umgebung bestaunen. Wir haben den Tag als kleine Schauspieler genossen.
Mit einem Klik auf das Bild links kann der kurze Streifen auf der Facebook Seite von Niue Tourism besichtigt werden, während das obige Bild die Website der Insel Niue eröffnet.
November 2016
2. - 5. November
Weiter segeln wir bei achterlichem Wind von Niue Richtung Vava'u (Tonga-Inseln), wo wir wegen der Zeitverschiebung einen Tag verlieren. Tonga begrüsst zusammen mit Samoa als erster Staat die Welt. Der Anblick der Vava'u-Gruppe ist atemberaubend, etwa 50 aus dem Meer aufragende dicht bewaldete Koralleninseln mit schneeweissen Sandstränden. Am Freitag ist Verfassungstag, sodass wir nicht einklarieren können, deshalb beschliessen wir ausserhalb vor einem kleinen, wunderschönen Inselchen vor Anker zu gehen. Ich koche uns bei wenig bewegter See Gschwellti im Duromatic. René hat kochfrei, da ich jeweils bei sehr grossem Schaukeln nicht kochen kann, ich habe auch Respekt vor heissem Wasser und Öl. Da es uns sehr gut gefällt, bleiben wir vor diesem Inselchen noch ein wenig länger, arbeiten am Computer, waschen unsere Wäsche, baden, lesen und geniessen die herrliche Aussicht.
6. - 10. November
Vom wunderschönen Ankerplatz in der Vava'u-Gruppe auf Tonga segeln wir weiter Richtung Nuku'alofa auf der Hauptinsel Tongatapu. Da der Wind gerade günstig ist, und wir nicht Lust haben, nur für einen Tag das ganze Ein- und Ausreiseprozedere zu durchlaufen, segeln wir bei Windstärke drei aus Norden direkt weiter zum südlichen Minerva-Riff, welches letzter Halt vor Neuseeland bedeutet. Wir geniessen den gleichmässigen Wind, bevor uns eine totale Flaute daran erinnert, dass wir segeln und nicht im Flugzeug oder in der Eisenbahn mit genauen Abfahrts- und Ankunftszeiten sitzen, obwohl auch dort manchmal Änderungen auftreten können. Es ist wie im Stau im Auto, jedoch ohne ungeduldige Personen links und rechts. Man hält es einfach aus und macht das Bestmögliche daraus. Da ich mich vor allem im Cockpit oder in der Koje gut fühle, lese ich in solch einer Situation ein spannendes Buch, schreibe den Entwurf für meine Homepage oder ich lege mich für ein Stündchen in die Koje. Im Salon am Computer lange schreiben, lesen oder basteln kann ich nicht, da es mir schnell etwas flau im Magen wird. Meistens ist es zum Glück schön, sodass ich draussen im Cockpit bin und Wolken, Wind, Wellen, Vögel, Sonne, Mond und Sterne beobachten kann. Wenn es dann aber regnet, ziehe ich mich in die Koje zum Lesen oder Schlafen zurück. René im Gegensatz kann alle Arbeiten auch im Salon erledigen.
Ich habe heute, am 9.11.2016 mal zusammen gerechnet, wir sind nun auf dieser Reise seit 1'720 Seemeilen unterwegs. Der Bodensee ist etwa 50 Seemeilen lang, also den habe ich schon ein paar Mal durch segelt!
Bei Ebbe treffen wir im Minerva Riff ein, die Einfahrt ist mit einem grossen Leuchtzeichen gekennzeichnet. Von weitem habe ich gedacht, es wäre der Mast eines Schiffes. Es ist ein kleines Wunder, mitten im Pazifik kann man einen Halt einlegen, um in der ruhigen Lagune, umgeben von einem Riff, den besten Zeitpunkt zur Weiterfahrt zu erwischen. So ist René damit beschäftigt, die nächsten Wetterberichte mittels Iridium (Satellitentelefon) abzuholen. Er klettert noch den Mast hinauf um eine Reparatur vorzunehmen, und ich koche uns in der Zwischenzeit einen feinen Tomatenrisotto und lege Esswaren in angenehme Nähe, damit wir bei hohem Wellengang nicht alles aus den untersten Schränken heraus suchen müssen.
11. - 21. November
Heute ist Fasnachtsbeginn, ich denke an mein Gottenkind, Evelyn und ihre Familie, welche jetzt wieder ihre prächtigen Kostüme und Instrumente hervorholen. Toll, dass ihr immer mit so viel Eifer die Menschen erfreut!
Unterwegs kocht uns René ab und zu seine Spaghetti aliolio, welche wir dann genüsslich verspeisen, natürlich mit Teller in der Hand, damit kein spaghetto verloren geht.
Und den Kaffee trinken wir aus den hübschen Tassen von Carmela (nochmals herzlichen Dank), welche in einer Halterung stecken, sodass wir diesen auch bei hohem Wellengang im Cockpit geniessen können!
Bevor wir nun nach Neuseeland weiter reisen reinigt René nochmals das Unterwasserschiff, da dies bei der Einreise kontrolliert wird. Das Wasser ist nun bereits etwas kühler geworden, ca. 22 Grad, sodass es schon etwas mehr Überwindung braucht, sich darin aufzuhalten, doch er schafft es prima, und ich koche in der Zwischenzeit ein warmes Süppchen.
Wir segeln weiter und plötzlich sieht René die Rückenflosse eines Delfins, er ruft mich sofort und wir gehen zum Bug und können während mehreren Minuten zuerst einen, dann zwei und schlussendlich fünf Delfine vor und neben unserem Schiff beobachten. Es scheint als würden sie spielen, sie liegen auf dem Bauch und abwechselnd auf dem Rücken, bevor sie immer wieder auftauchen, um Luft zu holen. Wir sind glücklich und fasziniert, diesem Naturschauspiel beiwohnen zu dürfen.
Nun können wir auch bereits Zugvögel sehen, welche sich wie wir nach Neuseeland begeben. Aber auch Kermadec-Sturmvögel, welche den Namen von der gleichnamigen Insel erhielten, wohin sie auch zum Brüten fliegen, können wir immer wieder beobachten. Sie fliegen hinter unserem Schiff her, welches durch die Fahrt das Meer aufwühlt, landen und schnappen sich einen Fisch.
17. November
Heute Morgen hatten wir in unserem Salon nur noch 18 Grad, wir haben deshalb den Schlafsack in der Koje plaziert, sodass wir nicht frieren müssen. Nach zwei Tagen mit Windstärke 6 und Wind von Südwest hat es arg geschaukelt, und ich hatte ein wenig den "Choller", da ich nicht viel machen konnte. Aber da heisst es auszuhalten und dann geht es auch vorbei.
Bereits haben wir den ersten Vogel von Neuseeland, einen Prion-Sturmvogel entdeckt, wir sind 200 Seemeilen von Opua entfernt (die gleiche Strecke wie von Romanshorn nach Genf!). Und ein fliegender Fisch ist wieder mal in unserem Cockpit gelandet. Wir haben Gegenwind und müssen deshalb aufkreuzen, das heisst wir kommen nur langsam vorwärts.
22. November
René weckt mich um 04.00 Uhr am Morgen und zeigt mir zwei Potwale, sie sind leider etwas weit weg, aber plötzlich sehen wir eine riesige aus dem Meer auftauchende Schwanzflosse, welche auch kurz darauf wieder abtaucht. Lange suchen wir auf dem flachen Wasser, ob wir sie nochmals entdecken können, doch sie sind nicht mehr zu sehen. Gleichzeitig geht nun auch die Sonne auf, ein riesiger Ball. Der Wind kommt immer noch von vorne. In der Nacht mussten wir sogar den Motor während ein paar Stunden einsetzen.
Während ich am Steuer vertieft die Kompassanzeige beobachte, um den Kurs zu halten, fliegt ein wunderschöner Albatros kurz vor unserem Bug vorbei.
Aber das absolute Highlight des Tages: wir sehen kurz vor Sonnenuntergang zwei Potwale vor uns. René steuert darauf zu, ich werde fast hysterisch, so riesig sind diese herrlichen Tiere. Ich schreie: nicht zu nahe und er steuert immer noch darauf zu. Dann tauchen die beiden ab und sind nicht mehr zu erblicken. Wow, war das ein Tag, am Morgen im Sonnenaufgang Potwale und am Abend im Sonnenuntergang noch einmal. So ein Geschenk erhält man nicht alle Tage!
23. November
Ich erwache und vor uns Land, ich habe es geschafft! Es ist nach so langer Zeit auf dem Meer schon faszinierend, Land zu sehen. Dazu noch Berge und Wälder wie in der Schweiz, man sagt ja Neuseeland sei die kleine Schweiz. Beim ersten Anblick erscheint es einem wirklich so.
Wir können um 14.00 Uhr einklarieren.Vorsorglich haben wir wieder alle Frischwaren, wir hatten sowieso nicht mehr viel, entsorgt. Zu dritt sind die Zoll-, Immigrations- und Gesundheitsbehörden auf unser Schiff gekommen, um verdächtige Waren, welche nicht nach Neuseeland eingeführt werden dürfen, zu beschlagnahmen. Gemüse, Fleisch, Früchte, Pflanzen, spezielle Muscheln und Korallen und lebende Tiere sind verboten, einzuführen. Sogar ein Spürhund ist an Bord gekommen, um etwas Verdächtiges zu suchen. Wir waren sehr gut vorbereitet, und nur ein Paket Linsen mussten wir abgeben. Zum Glück konnten wir alle unsere Konservendosen, von denen wir noch viele übrig haben, behalten.
24. - 29. November
Im Hafen von Opua in Neuseeland bekommen wir einen netten Platz. Die Marina ist vorbildlich organisiert, alles ist sehr sauber, die Menschen sind sehr freundlich und nett. Hier sind wirklich wahre Segler unterwegs, viele haben längere Schiffsreisen wie wir hinter sich. Man hört alle Sprachen, wir genehmigen uns ein Gläschen Wein, und schon bald kommen Diane und Leo, die Kanadier, zu Besuch, welche wir in Aitutaki getroffen haben. Das war eine tolle Überraschung, so trifft man sich wieder!
Nun heisst es waschen und es gibt sogar Tumbler, welchen ich in diesen Breitengraden natürlich auch benütze. Das Klima ist etwa wie in der Schweiz im Mai, es gibt sonnige Tage, dann wird es schnell warm, aber auch Regentage und Nebel am Morgen, das haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Für uns ist das eine grosse Umstellung nach so vielen Monaten mit beinahe täglichem Sonnenschein und natürlich immer warmen Temperaturen.
In der Marina findet ein Flohmarkt statt, es gibt natürlich sehr viele Schiffsutensilien zu kaufen, aber auch viele andere Artikel sind zu ergattern! Ein pinkfarbenes faltbares Velo haben wir entdeckt, jedoch hatte dieses bereits seine Abnehmer: der Amerikaner und die Chilenin, mit welchen wir schon ins Nachbarstädtchen zum Einkaufen waren, haben es vor uns ergattert.
Mit Diane und Leo wandern wir von Opua nach Paihia vorbei an hohen Farnbäumen, Sandstränden, wo man nach Herzenslust Austern und Muscheln finden kann, über kleine Flüsschen und in schattigen Wäldern, immer mit Blick auf das Meer und den blauen Himmel. Paihia ist ein touristisches Dörfchen, wo wir uns ein wenig umsehen und etwas zu Mittag essen. Zurück fahren wir dann mit dem Taxi, da Leo und Diane am nächsten Tag weiter segeln möchten und noch einige Dinge zu erledigen haben.